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  • Collagen

    „Ab 1988 entsteht eine völlig neue Werkgruppe. Zarte Bilder aus Pastellkreide werden mit Produkten der Industriegesellschaft kombiniert, die ihren Zweck bereits erfüllt, weggeworfen, nun neu entdeckt, verarbeitet, gestalterisch verwertet und einer neuen Aufgabe zugeführt werden. Damit verweist Willi Lemke auf die Problematik unserer konsumorientierten Wegwerfgesellschaft, die Dinge produziert, die zunächst dem Leben nützlich erscheinen, bei genauerer Betrachtung aber die lebende Natur und damit unser aller Leben bedrohen. Die Achtung vor den Dingen ist verlorengegangen, sie werden benutzt und weggeworfen. In den letzten Jahren ist in Politik und Wirtschaft das Wort Recycling zum Schlagwort geworden. Man könnte meinen, ein behutsames Umdenken deute sich an, aber zumeist liegt der Grund für ein aufwändiges Recyclingverfahren in den immer teurer werdenden Rohstoffen, die ein Recycling damit lukrativ gestalten. Willi Lemke kombiniert Materialien aller Art - mit Vorliebe Computerschrott als Symbol unserer schnelllebigen Zeit - zu einer Collage. Dabei fügt er die einzelnen Teile wohl geordnet zusammen. Der kalte Kunststoff und das harte Metall gehen eine Symbiose mit den weichen Pastelltönen ein. Klare Umrisse der Materialien sind von fließenden Übergängen der Farbe umgeben. Ein sanfter Gleichklang entsteht, der den Betrachter auffordert, dem bereits entsorgten, scheinbar nutzlosen Gegenstand Aufmerksamkeit zu widmen. Nun werden aus den gewickelten, kupfernen Spulen eines Trafos, der einst einen Computer mit Strom versorgte, ein ästhetisches Kunstwerk, und der Gegenstand erhält neue Achtung, regt zum Nachdenken an, mahnt, sensibler mit unserer Welt und ihren endlichen Resourcen umzugehen. Ein Aspekt, der besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Tatsache, dass dieser Computerschrott einst mit vielen anderen Einzelteilen ein effektives Arbeitsgerät, eine Denkmaschine war. Nun regen diese einzelnen Elemente durch die Wiedergeburt des Materials den Betrachter zum Denken an. Etwas äußerst Menschliches liegt in diesen Bildern. Ist es nicht die Befürchtung eines jeden, eines Tages einmal nicht mehr benötigt zu werden, auf dem Abstellgleis, auf dem Schrottplatz zu landen, und ist es nicht der Traum eines jeden, einer neuen Aufgabe zugeführt zu werden?“* *Dr. Josef Gülpers, Kunsthistoriker, 2013